So hilft FamilySearch, die Archive der Welt zu bewahren

2 August 2019  - by 

Jedes Jahr verliert die Welt kostbare historische Aufzeichnungen, doch es gibt eine eifrige Gruppe von Personen, die versuchen, etwas dagegen zu tun.

David Ouimette leitet das Global-Content-Strategy-Team bei FamilySearch.org – der weltweit größten Organisation für Genealogie und ein führendes Unternehmen für Urkundensicherung.

Ouimettes Team bewahrt überall auf der Welt Erinnerungen – historische Dokumente, die vielleicht das einzige verbleibende Zeugnis der Existenz der Personen sind, die darin aufgeführt werden. Es ist ein beunruhigender Gedanke, dass jedes Jahr unzählige Aufzeichnungen und die Geschichten, die sie erzählen, verlorengehen.

Das Global-Content-Strategy-Team arbeitet seine Strategie im Hinblick auf Aufzeichnungen aus, indem es festlegt, welche Standorte Vorrang haben, und die Dokumentensammlungen ermittelt, die den größten genealogischen Wert haben. Festzulegen, welche Dokumentensammlungen zuerst bewahrt werden müssen, ist äußerst wichtig. Dazu muss ermittelt werden, wie lange die jeweiligen Dokumente verfügbar sein werden.

Auswählen, was bewahrt werden soll

„Es gibt immer Dokumente, die in Gefahr sind“, sagt Ouimette, „also muss man planen.“ Wie legt man bei weltweit über 200 Ländern und Territorien fest, welche Dokumente zuerst bewahrt werden sollen? Das ist die ständige Herausforderung für das Strategieteam von FamilySearch für die Urkundensicherung weltweit. Es berücksichtigt eine Reihe von Variablen, um die Strategie von FamilySearch, wie die historischen und genealogischen Dokumente der Welt bewahrt und zugänglich gemacht werden, beständig weiterzuentwickeln.

Die fünf größten Gefahren für historische Dokumente

Bei diesen unersetzlichen Dokumenten handelt es sich unter anderem um Unterlagen zu Geburten, Kleinkindtaufen, Eheschließungen, Sterbefällen, Einwanderungen, zum Militärdienst, zu juristischen Angelegenheiten oder zu Volkszählungen. Dies gefährdet ihre Existenz:

  1. Schlechte Lagerungsbedingungen im Archiv. Es gibt zu viele Dokumente, die aufgrund von Schimmel, Fäulnis, Regen, Sonnenlicht und Insektenbefall von Tag zu Tag immer mehr verfallen.

    Dieses Foto aus dem Nationalarchiv der Demokratischen Republik Kongo in Kinshasa verdeutlicht die größten Gefahren, denen Dokumente ausgesetzt sind, und dass selbst in der Neuzeit.

    In dem Betongebäude, wo sie aufbewahrt werden, sind diese willkürlich aufgestapelten Dokumente durch das Dach und den Eingang starkem Sonnenlicht und schädigendem Wetter ausgesetzt. Die Dokumente werden durch keinerlei besondere Sicherheitsvorkehrungen geschützt.

    „Wenn ein Archivar ein Buch aufschlug, huschten die Termiten heraus und suchten nach einem Loch, worin sie sich verstecken konnten“, erzählte Ouimette bei einer Besichtigung des Gebäudes.

  2. Politische Instabilität. Ouimette und sein Team haben in einigen Ländern Archive besucht und fanden diese, als sie Jahre später erneut dort waren, völlig zerstört vor.

    „Wenn es politische Unruhen und Instabilität gibt, setzen Randalierer Regierungsgebäude in Brand; und in gerade diesen Gebäuden befinden sich oft die besten Dokumente“, sagt er.

    Ein Foto von gestapelten verkohlten Dokumenten in einem Archiv in Sarajevo in Bosnien-Herzegowina verdeutlicht den Schaden, der entstehen kann.

    Ein Mitglied von Ouimettes Team kehrte einmal einige Jahre, nachdem es dort Ausschreitungen gegeben hatte, zu einem anderen Archiv zurück. Selbst noch nach all den Jahren fand es dort Beschädigungen in Form von Verfärbungen an den Wänden vor, die durch den Rauch verursacht worden waren.

  3. Geplante Vernichtung. Alle zehn Jahre werden im Nationalarchiv von Ghana Dokumente absichtlich vernichtet. „Man ist dort der Meinung, die Dokumente seien alt und verbrauchen nur Platz“, so Ouimette.

    Er erklärt, dass die Ghanaer die Volkszählungsstatistiken zur Einberufung Wehrpflichtiger heranziehen. Anhand der Sterbe- und der Geburtsrate wird der Gesundheitszustand der Bevölkerung ermittelt.

    Nach zehn Jahren haben sie dann die benötigten Informationen und werfen die Originale weg, ohne dabei an den langfristigen genealogischen Wert der Dokumente zu denken.

    „Sie sind geradezu gezwungen, diese Dokumente zu vernichten, weil wieder eine neue Volkszählung durchgeführt wird und dann kein Platz mehr für die alten Dokumente ist“, sagt Ouimette.

    Ein Beispiel für eine der größten Vernichtungen kostbarer genealogischer Dokumente ist die Vernichtung der Dokumente in Britisch-Indien. „Man nahm die Volkszählungsdokumente, in denen jedes Haushaltsmitglied namentlich aufgeführt war, und vernichtete sie wie in England alle zehn Jahre, und dass nicht nur in Indien, sondern auch in den umliegenden Ländern“, sagt Ouimette.

    Als das Britische Weltreich zusammenbrach und Indien seine Unabhängigkeit erlangte, setzte man diese Praktik der regelmäßigen Vernichtung in Indien fort. In Indien digitalisiert man jetzt geeignetes Material der Volkszählungen. Allerdings sind die Volkszählungsdokumente aufgrund der Gesetzeslage nicht für die Allgemeinheit zugänglich und werden letztlich vernichtet.

    „Man denkt nicht an den historischen Wert, den diese Dokumente langfristig haben“, sagt Ouimette. „Man denkt heutzutage mehr an den Datenschutz als daran, auch in 200 oder 300 Jahren noch Aufzeichnungen über die Menschen zu haben.“

  4. Der Tod derjenigen, die die genealogischen Informationen mündlich weitergeben. Genealogische Angaben sind nicht immer in Archiven verwahrt, sondern befinden sich auch in den Erinnerungen der Menschen. In afrikanischen Stämmen ist es für einen Ältesten in einem Dorf üblich, dass er fünf Generationen des Stammes auswendig aufsagen kann; einige können sogar sieben oder acht Generationen aufsagen. Da diese afrikanischen Dörfer immer weniger Einwohner haben und die Jugendlichen in die Städte ziehen, gibt es manchmal niemanden mehr, der denjenigen ersetzen kann, der die genealogischen Angaben mündlich wiedergeben konnte.

    „Wenn einer dieser Ältesten stirbt“, so Ouimette, „ist es, als wäre ein Archiv abgebrannt.“

    Daher ist es unbedingt notwendig, dass diese mündlich überlieferten Ahnenreihen noch rechtzeitig zusammengetragen werden. FamilySearch besuchte drei-, viermal einen afrikanischen Stammesältesten, der alle Nachkommen der Stammesmitglieder über Generationen hinweg aufsagen konnte. Das Team kehrte noch ein letztes Mal zu ihm zurück, um sich bei ihm zu bedanken.

    „Als wir uns seinem Haus näherten, kam seine Familie heraus und sagte uns, dass er in der Nacht gestorben war. Sie sagten auch, dass er sehr dankbar gewesen war, weil er sein Lebenswerk noch vor seinem Tod weitergeben konnte“, erinnert sich Ouimette.

    In einem Dorf in Ghana, in dem sich Vertreter von FamilySearch mit den Stammesältesten trafen, sprachen die Afrikaner über die Notwendigkeit, dass diese mündlich überlieferten Ahnenreihen bewahrt werden, weil die vom Stadtleben geprägten jungen Stammesmitglieder nichts über ihre Herkunft lernen.

    „Die Ältesten sagten: ‚Sie haben vergessen, wer sie sind. Wir schreiben im Grunde ihr Buch – das Buch ihrer Familie. Durch das Buch kann sich die jüngere Generation in Erinnerung rufen, wer sie ist, indem sie sich mit ihrer Abstammung beschäftigt.‘ Es war verblüffend zu hören, wie dieser Stammesälteste diese Verbindung herstellte“, erinnert sich Ouimette.

  5. Naturkatastrophen – ein beträchtliches Risiko. Überschwemmungen, Stürme, Brände, Erdbeben und dergleichen sind Naturkatastrophen, die historische und genealogische Dokumente beschädigen oder vollständig vernichten.

    In den Philippinen herrscht beispielsweise permanent Überschwemmungsgefahr. Ouimette erzählt, wie er ein Dorf besuchte, in dem man anhand der dunklen Verfärbung an Betonpfeilern sehen konnte, wie weit das letzte Hochwasser gekommen war.

    Der Archivar des Dorfes, dessen Büro sich im ersten Stock über den Wassermarkierungen befand, beklagte die Tatsache, dass eine Überschwemmung im Jahr 1985 seine Dokumente vernichtet hatte. In einem Zentralarchiv in Manila fertigt man regelmäßig eine Kopie der örtlichen Dokumente an, weil sie aufgrund der häufigen Nutzung schnell abgenutzt sind. Obgleich der Archivar einen staatlichen Zuschuss erhielt, damit er Kopien seiner Dokumente anfertigen konnte, hatte die Kommunalverwaltung in seinem Dorf noch vor der Fertigstellung der Kopien kein Geld mehr.

Ein unschätzbar wertvolles Geschenk

Während Mitarbeiter von FamilySearch sich in eben diesem Standesamt in den Philippinen befanden, entdeckten sie im Internet bei FamilySearch.org die fehlenden Dokumente des Archivs. Ein FamilySearch-Team hatte diese Dokumente noch vor der Überschwemmung im Jahr 1985 auf Mikrofilm aufgenommen.

Ouimette schildert das darauffolgende Gespräch folgendermaßen: „Wir fragten den Archivar: ‚Wussten Sie, dass es von allem, was Sie vor der Überschwemmung hatten, eine Kopie gibt?‘ Er hatte davon überhaupt nichts gewusst. Viele Standesbeamte waren ihm vorausgegangen und im Laufe der Zeit war es in Vergessenheit geraten.“

Die Mitarbeiter von FamilySearch boten dem Standesbeamten an, ihm eine Kopie zu besorgen. „Als wir wieder gingen, folgte er uns die Treppe hinunter und fragte: ‚Sind Sie sicher? Das wollen Sie für uns tun?‘“ Ein paar Wochen später schickte FamilySearch ihm eine kostenlose Festplatte mit den Kopien von den Dokumenten, die ihm fehlten.

Wie man Zugriff auf bewahrte Dokumente erhält

Um den nahezu unmögliche Kraftakt zu bewerkstelligen, die gesamten genealogischen Dokumente der Welt zu bewahren, sind ehrenamtliche Helfer von FamilySearch, Vertragspartner, Angestellte und manchmal auch Archivmitarbeiter mit insgesamt bis zu 330 Kameras in weltweit etwa 50 Ländern tätig. Sie erstellen jedes Jahr 40 Millionen Digitalaufnahmen von historischen Dokumenten. Diese Dokumente sind über den Online-Katalog sowie in den Sammlungen von historischen Dokumenten bei FamilySearch zugänglich. Diese Digitalaufnahmen enthalten drei bis vier Milliarden Namen von Personen, die, sobald sie von der ehrenamtlichen Online-Community von FamilySearch indexiert wurden, der Datenbank von FamilySearch mit bereits sechs Milliarden durchsuchbaren Namen hinzugefügt werden.

Wie Sie etwas bewirken können

FamilySearch bemüht sich um die Hilfe von Menschen in ausgewählten Orten, damit sie dann Folgendes tun:

  • Informationen über Dokumente in Erfahrung bringen. In Frage kommende Aufbewahrungsorte aufsuchen und eine allgemeine Bestandsaufnahme von den Dokumenten anfertigen.
  • Kontakt zu Schlüsselpersonen aufnehmen. Kontakt zu Archivaren und anderen Schlüsselpersonen aufnehmen, die Einfluss darauf haben, ob FamilySearch Digitalaufnahmen erstellen darf, oder FamilySearch direkt die Erlaubnis dazu erteilen können.
  • Digitalaufnahmen von Dokumenten erstellen. Digitalkameras bedienen, die von FamilySearch bereitgestellt werden, um ausgewählte Dokumente abzulichten.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie helfen können, melden Sie sich gebührenfrei telefonisch bei uns unter 00 800 1830 1830 in Deutschland und der Schweiz, und in Österreich unter 0800 292846, oder per E-Mail unter support@FamilySearch.org.

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